Ein Beitrag von Leonie Rümcker und Rubina Hiller
Ob im privaten Umfeld, in beruflichen Zusammenhängen oder in öffentlichen Räumen: Frauen aller Altersgruppen und sozialer Herkünfte erleben in vielen gesellschaftlichen Lebensbereichen Gewalt.
Etwa zwei Drittel aller Frauen in Deutschland haben im Laufe ihres Lebens sexuelle Belästigung erlebt, und rund jede siebte wurde Opfer schwerer sexualisierter Gewalt (dazu zählen Vergewaltigungen, sexuelle Nötigung). EU-weit gaben 45 bis 55 Prozent an seit ihrem 15. Lebensjahr von sexueller Belästigung betroffen gewesen zu sein. Aufgrund dessen, dass nicht alle Fälle gemeldet werden, liegt die Dunkelziffer um einiges höher.
Die Grenzen zwischen Belästigungen im Alltag, wie zum Beispiel Catcalling (unerwünschte, sexuell anzügliche Rufe, Reden oder Pfiffe im öffentlichen Raum), und strafbarer sexueller Gewalt sind oftmals fließend. Am 21.11.2025 veröffentlichte das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend in ihrem Bericht „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten“ und „Häusliche Gewalt“ für das Jahr 2024. Die Zahlen zeigen deutlich, dass die Straftaten gegen Frauen und Mädchen weiter zugenommen haben. Demnach sind Sexualdelikte um +2,1 Prozent (2023: 52.330) angestiegen. Ca. die Hälfte der Betroffenen waren minderjährig. Am häufigsten waren Frauen und Mädchen von sexueller Belästigung (36,4 %), von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen (35,7 %) sowie von sexuellem Missbrauch (27,5 %) betroffen. 308 weibliche Personen wurden getötet. Auch Cyberstalking oder Bedrohungen in sozialen Medien haben um 6 % zugenommen. Fast 257.000 Personen wurden im Jahr 2024 Opfer häuslicher Gewalt. Betroffen davon waren zu mehr als 70 % Frauen und Mädchen. Mit Blick auf die Gewalt in Partnerschaften ist die Anzahl der betroffenen Frauen ebenfalls um knapp 2 % angestiegen: 171.069 Fälle wurden 2024 gemeldet; davon ca. 80 Prozent von Frauen. Die Pressemitteilung mit den weiteren Zahlen kann hier nachgelesen werden.
Dass Sexualisierung auch im Wissenschaftssystem ein zentrales Thema ist, zeigen Berichte und Studien. Eine kürzlich veröffentlichte Befragung durch den Marburger Bund in Bayerns Kliniken zeigte, dass drei von vier Ärztinnen und Ärzte in ihrer beruflichen Laufbahn sexistische, rassistische oder anderweitig abwertende Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. Auch aus dem Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg wurde vor kurzem bekannt, dass zahlreiche Ärztinnen von Sexismuserfahrungen berichten. Sexualisierung, so zeigen Studien aus dem Jahr 2024, zählt zu einem zentralen Aspekt, wenn es um den Machtmissbrauch im Wissenschaftssystem geht.
Wir haben nachfolgend einige Handreichungen, Studien und Handlungsempfehlungen für Sie zusammengestellt:
Im Jahr 2023 gab die bukof diese Handlungsempfehlung heraus.
Darüber hinaus steht seitens der bukof das „Grundsatzpapier zu Sexualisierter Diskriminierung und Gewalt an Hochschulen“ zum Download hier zur Verfügung.
2022 veröffentlichte die Koordinations- und Forschungsstelle vom Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW die Studie „Sexualisierter Belästigung, Gewalt und Machtmissbrauch an Hochschulen entgegenwirken. Darin enthalten sind u. a. auch Handlungsempfehlungen.
Anlauf- und Beratungsstellen sind in einer solchen Situation für Betroffene von zentraler Bedeutung. Unter dem folgenden Link finden Sie eine von der LAGEN zusammengestellte Übersicht von Anlaufstellen und Organisationen inner- und außerhalb der Mitgliedseinrichtungen der LAGEN. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.