In der medizinischen und lebenswissenschaftlichen Forschung können sowohl körperliche beziehungsweise biologische Geschlechtsdimensionen (sex) als auch soziale und gesellschaftliche Geschlechterdimensionen (gender) von Bedeutung sein. Darüber hinaus können weitere Faktoren wie Alter, soziale Lage, Behinderung oder unterschiedliche Lebens- und Umweltbedingungen gesundheitliche Risiken, Krankheitsverläufe, Diagnostik, Versorgung oder die Wirkung von Interventionen beeinflussen.
Nicht jede naturwissenschaftliche Forschungsfrage weist eine unmittelbare Gender- oder Diversitätsrelevanz auf. Eine Prüfung kann insbesondere dort sinnvoll sein, wo Menschen, Tiere, biologische Systeme oder gesellschaftliche Anwendungskontexte Teil der Forschung sind. Relevant können beispielsweise die Auswahl biologischer Modelle, Referenzwerte, Stichproben oder die Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen sein.
Technologien und technische Systeme werden in gesellschaftlichen Kontexten entwickelt und genutzt. Gender- und Diversitätsdimensionen können daher insbesondere bei der Definition von Anforderungen, der Auswahl von Daten, dem Design technischer Systeme sowie bei deren Nutzung und Wirkung relevant werden. Auch vermeintlich neutrale technische Standards oder Datensätze können bestimmte Nutzer*innengruppen stärker berücksichtigen als andere.
Umweltbedingungen, Infrastruktur, Mobilität oder der Zugang zu natürlichen Ressourcen können verschiedene gesellschaftliche Gruppen unterschiedlich betreffen. Dies kann beispielsweise mit Einkommen, Alter, Geschlecht, Wohnort, Sorgeverantwortung oder gesundheitlichen Voraussetzungen zusammenhängen. Gender- und Diversitätsdimensionen können daher insbesondere relevant sein, wenn ökologische Veränderungen oder technische und politische Transformationsprozesse gesellschaftliche Auswirkungen haben.