Zitat der Genderblog-Redaktion:
"Liebe Leser*innen,
im Genderblog, in dem wir Projekte und Ergebnisse aus Forschung, Studium und Lehre im und um das ZtG vorstellen, sind über die zweite Hälfte des Wintersemesters sechs neue Texte erschienen, zu deren Lektüre wir alle herzlich einladen möchten.
Corinna Schmechel berichtet vom Kolloquium "Die gute Mahlzeit. Gender und Ernährung transdisziplinär", das vom ZtG organisiert am 11. und 12. November 2022 im Senatssaal der HU stattfand. Der Frage nach der (Re)Produktion gesellschaftlicher Ordnung(en) in und durch Ernährung wurde durch die Beleuchtung von symbolischen, künstlerischen, literarischen, wissenschaftlichen sowie materialistisch-verteilungspolitischen Verknüpfungen zwischen Ernährungs- und Geschlechterverhältnissen nachgegangen.
Im Beitrag "Die ,Gläserne Decke' der DDR-Industrie: Sex und die Gründe, warum Frauen seltener Chefinnen waren als Männer" spürt Henrike Voigtländer verschränkte Ebenen eines sich stets reproduzierenden strukturellen Sexismus am Arbeitsplatz in der DDR auf: die Mehrfachbelastung von Frauen, die Konfrontation mit sexistischen Stereotypen sowie implizit exkludierende Netzwerkpraktiken.
Carolin Hohmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin mit Forschungsschwerpunkten in der theologischen Genderforschung, Intersektionalität und Bildungs(un)gerechtigkeit. Sie berichtet von dem Projekt, die linke und rechte Seite ihres Schreibtischs in ihrer Dissertation theoretisch fundiert und zugleich praxisorientiert zu verbinden - denn letztlich, so Hohmann, gründet ihre Forschung auf dem, was "draußen" passiert. Hohmann lässt uns teilhaben am Versuch, sich an ihren Schreibtisch "hinauszuwagen" - in verschiedene Fachdisziplinen und noch offene Fragen.
Karin Sardadvar berichtet vom Projekt SPLITWORK (Split Shifts and the Fragmentation of Working Lives), das die geteilten Dienste als Arbeitszeitmodell in zwei Branchen und drei Staaten aus der Perspektive der feministischen Arbeitsforschung beleuchtet. In Österreich, Norwegen und Schweden werden die beiden feminisierten Dienstleistungsbranchen Reinigung und Pflege sowohl auf Beschäftigtenebene, Unternehmensebene als auch auf der Ebene der politischen und gesetzlichen Regulierung erforscht.
Janin Afken untersucht in Marlene Stentens "Puppe Else. Eine Lesben-Novelle" von 1977 literarische Konstruktionen des Verhältnisses von lesbischen* Zeiten und Eigenzeit, die sie konzeptuell in Abgrenzung zu einer als gesellschaftlich gedachten Zeitordnung versteht. Sie findet in den gesichteten Texten in Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifisch normativen, patriarchalen Zeitordnungen und Lebensläufen ein geschärftes Zeitbewusstsein, das mit dem Wunsch der Protagonist*innen korrespondiert, sich eine eigene selbstbestimmte Zeit zu 'erschreiben'.
Und last but not least nimmt Michelle Lims Text die Genderblog-Leser*innen mit zu einer Analyse queerer Repräsentationen in lokalen Mainstream-Medien Singapurs. Lim kommt zu einem weniger zuversichtlichen Zwischenergebnis, indem sie nachvollzieht wie beispielsweise die Praxis des Cross-Dressing durch eine Einbindung in heteronormative Comedy-Narrative gerahmt und damit ihres queeren-emanzipatorischen Potenzials und Zusammenhangs enthoben wird.
Bis zum nächsten Semester geht auch der Genderblog in eine Pause bzw. einen etwas luftigeren Veröffentlichungsrhythmus. Alle Leser*innen, die die Beitragsbenachrichtigungen des Genderblogs abonniert haben, werden auch in der vorlesungsfreien Zeit weiterhin direkt über neu erschienene Beiträge informiert.
Mit den besten Wünschen,
Eure und Ihre Genderblog-Redaktion"
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