Corinna Onnen, Foto: Frank Grunwald/eig. Besitz
Sabine Bohne

Prof. Dr. Corinna Onnen und Dr. Sabine Bohne, Bericht vom 11. Juni 2014

Prof. Dr. Corinna Onnen und Dr. Sabine Bohne vertraten am 22. und 23. Mai 2014 die Uni­versität Vechta bei einem Arbeitstreffen des EU-Projekts EGERA ("Effective Gender Equality in Research and the Academia") in Njimegen. Das Projekt verknüpft wissenschaftliche Er­kenntnisse zum Stand der Umsetzung von Geschlechtergleichheit in Forschung und Lehre an Hochschulen mit der Übertragung dieser Erkenntnisse in geeignete Maßnahmen an den beteiligten Einrichtungen. Die im Rahmen des Projekts anfallenden Aufgaben wurden in acht Arbeitspakete aufgeteilt. Das Arbeitstreffen in Njimegen diente dazu, erste Ergebnisse aus zwei dieser Arbeitspakete genauer vorzustellen.

Am ersten Tag stellte Gülbanu Altunok stellvertretend für das Team der Middle East Technical University in Ankara (Arbeitspaket 2: "Assessing gender inequalities and bias") die dort entwickelten Items vor, anhand derer eine Bestandsaufnahme der Angaben der betei­ligten Hochschulen vorgenommen worden waren. Erhoben wurden dabei geschlechtsspezifi­sche Statistiken, zum Beispiel zum Frauenanteil der in Forschung, Lehre und Verwaltung Beschäftigten sowie zur Forschungsförderung, darüber hinaus Informationen zur Situation der Geschlechterforschung/Gender Studies sowie zum Stand der Integration von Genderas­pekten in die Lehre der Hochschulen, Maßnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance sowie Maßnahmen gegen Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht sowie gegen sexuelle Belästigung und Gewalt an Frauen. In diesem Zusammenhang wurden auch die an der Universität Vechta erhobenen Daten präsentiert und von Corinna Onnen und Sabine Bohne kommentiert und ergänzt.

Auffallend an der Situation der Universität Vechta ist, dass die Strategie des Gender Mainstreaming, die die Universität seit einigen Jahren in ihrer Organisationsstruktur einführt, in einigen Bereichen bereits etabliert ist, in anderen Be­reichen scheinbar dieselben Hürden noch zu überwinden sind, wie an den zahlenmäßig ganz großen am Projekt beteiligten Universitäten. Hierzu zählen z.B. eine umfassende Gender­analyse mit einer regelmäßigen Aktualisierung oder die Erhebung bereits vorhandener Gen­derkompetenzen aller Gruppen innerhalb der Universität.

Die lebhafte Diskussion der Items für die Bestandsaufnahme von genderbezogenen Daten und genderspezifischen Benachteiligungen bildete die Basis für einen intensiven Austausch über erforderliche Maßnahmen am zweiten Tag des Arbeitstreffens, der durch das Team um Inge L. Bleijenbergh/ Universität Nijmwegen vorbereitet wurde. Das niederländische Team hat im Projekt die Aufgabe, Gender Trainings für die Projektpartnerhochschulen zu konzipie­ren, aber insbesondere auch die Verantwortlichen an den jeweiligen Hochschulen zu befähi­gen, selbst Gender-Trainings durchzuführen oder entsprechende Coaches damit zu beauf­tragen (Arbeitspaket 4: "Training academic communities"). Die niederländischen Ex­pert_innen hatten bereits im Vorfeld des Treffens einen Bericht über empfohlene Standards für Gender-Trainings, Trainingsinstrumente sowie Anforderungen an die Kompetenz der Gendertrainer_innen zusammengestellt. Sie gehen in ihrer Arbeit, die auf jahrelangen eige­nen wissenschaftlichen Studien basiert, von zwei Prämissen aus: (1) die Qualität von effekti­ven Gender Trainings ist nicht automatisch gesichert, wenn sich jemand als Gender-Trai­ner_in anbietet, und (2) 'herkömmliche' Gender-Trainings an Hochschulen und Forschungs­institutionen 'verpuffen' zu leicht, wenn sich die verschiedenen Beteiligten nicht frühzeitig auf eine Linie einigen. Um diesen Herausforderungen sinnvoll begegnen zu können, wurde eine an systemischen Coachings orientierte Methode entwickelt – die Methode des „Group Model Building“ – die mit den anwesenden Projektpartner_innen praktisch erprobt wurde.

Ziel des EGERA-Projekts ist längerfristig, die Ausgangslagen der beteiligten Einrichtungen und den Stand der Umsetzung von Gender-Trainings zu evaluieren, um zu dokumentieren, wie sich die unterschiedlichen Organisationskulturen der Hochschulen sowohl auf den Ver­waltungs- und Steuerungsebenen als auch auf den Ebenen von Forschung und Lehre 'gendern'. Diese Aufgaben übernimmt das Team der CESIS mit Pedro Perista/Lissabon (Ar­beitspaket 8: "Monitoring and Evaluation"). Die Universität Vechta ist im Rahmen des EGERA-Projekts für das Arbeitspaket 7 ("Dissemination") verantwortlich und wird in diesem Zusammenhang das Arbeitstreffen 2016 vorbereiten.


Kontakt für Rückfragen und weitere Informationen:

Prof. Dr. Corinna Onnen, Universität Vechta, E-Mail: corinna.onnen[at]uni-vechta.de
Dr. Sabine Bohne, Universität Vechta, E-Mail: sabine.bohne[at]uni-vechta.de

Der Bericht erschien ursprünglich im LAGEN-Rundbrief 19/2014 vom 11. Juni 2014, S. 4-5.