Franziska Ohde im Gespräch mit Tanja Mölders, Maria-Goeppert-Mayer (MGM) Juniorprofessorin für Raum und Gender an der Leibniz Universität Hannover

FO: Können Sie Ihre aktuelle wissenschaftliche Tätigkeit in zwei bis drei Sätzen skizzieren?

TM: Als Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin mit raum- und geschlechtertheoretischer Perspektive interessieren mich die Verbindungen zwischen den Kategorien Natur, Raum und Geschlecht. Mit dem Forschungsprogramm Gesellschaftliche Raumverhältnisse untersuche ich diese Verbindungen auf der theoretisch-konzeptionellen sowie empirisch-exemplarischen Ebene. Aktuelle Themen sind zum Beispiel die Energiewende oder die Debatten um Care.


FO: Welche Relevanz hat Gender in Ihrem Fachbereich?

TM: In den Nachhaltigkeitswissenschaften waren Genderperspektiven von Beginn an angelegt und Teil sowohl des politischen als auch wissenschaftlichen Diskurses. Wie in anderen Bereichen auch, werden diese Perspektiven jedoch häufig nicht beziehungsweise. nicht von allen wahr- und ernst genommen. Auch in raumwissenschaftlichen Disziplinen hat die Frauen- und Geschlechterforschung eine lange Tradition und - wie ich meine - wesentliche Theoriebeiträge geleistet. Das heißt jedoch nicht, dass diese Bedeutung immer und überall anerkannt wird.


FO: Seit wann sind Sie bei der LAGEN aktiv und über welche Mitgliedseinrichtung nehmen Sie an der LAGEN teil?

TM: Ich bin seit 2013 in der LAGEN aktiv. Einmal als individuelles Mitglied und über das Forum für GenderKompetenz in Architektur | Landschaft | Planung (gender_archland). Das gender_archland ist die LAGEN-Mitgliedseinrichtung der Leibniz Universität Hannover (LUH).


FO: Was ist Ihre Funktion in dieser Einrichtung?

TM: Ich bin Juniorprofessorin für Raum und Gender und in dieser Funktion am gender_archland angesiedelt. Die Juniorprofessur wird vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium (MWK) im Rahmen des Maria-Goeppert-Mayer-Programms gefördert.


FO: Welche Tätigkeiten beinhaltet Ihre Mitarbeit an der LAGEN?

TM: Ich nehme regelmäßig an den Mitgliederversammlungen teil. Im Moment steht auch das Thema Verbundforschung sowie die damit verbundene internationale Tagung "Politiken der Reproduktion" auf der Tagesordnung.


FO: Ihre letzte Publikation in einem Satz?

TM: Es sind einige Veröffentlichungen "im Erscheinen"... Zuletzt abgeschlossen habe ich wohl den Beitrag "Gesellschaftliche Raumverhältnisse. Ein Forschungsprogramm zu den Verbindungen von 'Natur', 'Raum' und 'Geschlecht'" im ersten Sammelband der LAGEN, der ja bald erscheinen wird.


FO: Welchen Bezug haben Ihre Publikationen zur aktuellen feministischen Forschung bzw. zur Geschlechterforschung/Gender Studies?

TM: Es geht einmal darum, die unterschiedlichen analytischen Perspektiven der Geschlechterforschung deutlich zu machen und zu zeigen, dass diese weit über differenztheoretische Analysen von Frauen und Männern hinausgehen. Wichtig ist außerdem die Thematisierung von essentialistischen oder sozial-konstruktivistischen Reduktionismen in Bezug auf die Kategorien Natur, Raum und Geschlecht.


FO: Wem würden Sie Ihre Publikationen empfehlen?

TM: Natürlich würde ich den gesamten Band empfehlen und denke, dass er einen guten Überblick über die vielfältigen Themen der Geschlechterforschung gibt, zu den denen in Niedersachsen geforscht wird. Die Zusammenführung dieser Beiträge unter dem Dach "Methoden" und "Methodologien" macht ihn sowohl für Expert_innen als auch für Einsteiger_innen in die Thematik interessant.


FO: Ihr aktuelles Forschungsprojekt in einem Satz?

TM: Im Februar ist das Verbundforschungsprojekt "Caring for natures? Geschlechterperspektiven auf (Vor)Sorge im Umgang mit 'Natur/en' gestartet, in dem es darum geht, die sozialwissenschaftlichen Care-Debatten aus einer feministisch herrschaftskritischen Perspektive mit Fragen des Naturumgangs zu verbinden.


FO: Welchen Bezug hat Ihr Forschungsprojekt zur aktuellen feministischen Forschung bzw. zur Geschlechterforschung/Gender Studies?

TM: Care-Debatten sind in der aktuellen feministischen Forschung ein viel diskutiertes Thema.


FO: Was macht Ihr Forschungsprojekt besonders?

TM: Besonders ist, dass wir das Thema nicht mit Blick auf Mensch-Mensch, sondern mit Blick auf Mensch-Natur-Beziehungen betrachten. Das ist eine gegenstandsbezogene Erweiterung, die ich insbesondere aus Genderperspektiven für weiterführend halte.


FO: Mit wem würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt diskutieren? Und warum?

TM: Die letzten beiden Tage hatten wir unseren Auftaktworkshop und die Diskussionen mit den Kolleginnen - insbesondere den Verbundpartnerinnen aus Lüneburg - waren schon sehr ertragreich. Frigga Haug wäre sicher auch eine interessante Diskussionspartnerin - wir hatten sogar 2012 schon mal die Gelegenheit das Thema mit ihr in Lüneburg zu diskutieren.


FO: Sie sitzen mit Freunden am Küchentisch und das Thema Gender wird angesprochen. Wie erklären Sie Ihren Bezug zum Thema und was es mit Ihrem Beruf zu tun hat?

TM: Eigentlich würde ich ja sagen, dass meine Freund_innen die Antwort schon kennen... Nämlich, dass die Kategorie Geschlecht einen wesentlichen erkenntnisleitenden Zugang meiner Arbeiten darstellt.


FO: Was lesen Sie, wenn sie keine wissenschaftlichen Texte lesen? 

TM: Die Zeit (im Abo), die sich aber leider auch oft stapelt... Und dann auch gerne mal einen Roman.


FO: Welche Autor_innen lesen Sie gerne? Und wieso?

TM: Ich mag Juli Zeh, weil ihre Bücher wunderbare Gesellschaftsanalysen sind ohne "anstrengend" zu sein.


FO: Welche Bücher würden Sie auf jeden Fall weiterempfehlen?

TM: An Juli Zeh anschließend: Unterleuten


FO: Für was hätten Sie gerne mehr Zeit?

TM: Für meine Familie und für mich - in der Reihenfolge.


FO: Was würden Sie an einem Tag unternehmen, an dem die gesamte technische Infrastruktur und alle technischen Geräte nicht funktionieren würden?

TM: Lesen! Leider wohl ohne Kaffee...


FO: Wen würden Sie gerne einmal treffen? Warum?

TM: Ich bin mit den Leuten, die ich treffe eigentlich schon sehr zufrieden...


FO: Wohin würden Sie gerne verreisen? Warum dorthin?

TM: Ich würde gerne mal nach Lateinamerika, weil ich die Region für politisch sehr spannend halte.


FO: An welchen Vorbildern - seien es Menschen oder Projekte -, orientieren Sie sich?

TM: Wie eben schon gesagt mit "Ikonen" habe ich es nicht so. Aber es gibt sicher Menschen, die man kennenlernt und denkt: "Die machen das richtig gut!" und dann kann man überlegen, ob man sich da was abgucken kann. "Richtig gut" finde ich, wenn Menschen auch in Führungspositionen nicht immer mit dem Strom schwimmen und ihren inhaltlichen Überzeugungen treu bleiben.


FO: Bitte vollenden Sie die folgenden Sätze!


FO: Ich habe Freude an meinem Beruf, weil...

TM: ...er mir ermöglicht kritisch zu denken und dieses Denken in Forschung und Lehre einzubringen.


FO: Die LAGEN ist wichtig, weil...

TM: ...sie der Vernetzung von Geschlechterforscher_innen Strukturen bietet.


FO: Ich wünsche der LAGEN, dass...

TM: ...sie viel beachtet und wirkmächtig wird.


FO: Wollen Sie noch ein Schlusswort sprechen/einen abschließenden Satz sagen?

TM: Eigentlich scheint mir wenn nicht alles, so doch viel gesagt!


FO: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben!